Demonstration: Für höhere Anerkennung und bessere Bezahlung von Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst!

Wir rufen hiermit gemeinsam mit ver.di und der GEW dazu auf, sich am Donnerstag, den 21. Mai 2015, ab 10 Uhr an der Porta Nigra einzufinden und von dort aus gemeinsam via Hauptmarkt und Kornmarkt zur Konstantin Basilika zu ziehen, um für deutlich höhere Anerkennung und bessere Bezahlung für die zurzeit streikenden Erziehenden in Trier, Rheinland-Pfalz und ganz Deutschland zu demonstrieren! Nachdem die Tarifverhandlungen in bislang fünf Runden zu keiner Annäherung der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) in Richtung der Gewerkschaften führten, haben deutschlandweit ca. 150.000 Beschäftigte des Sozial- und Erziehungsdienstes (SuE) seit einigen Tagen ihre Arbeit niedergelegt.

Die beruflichen Anforderungen für pädagogische Fachkräfte sind in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Ausgehend von der Vorstellung, in spielerischer Art und Weise auf die Schule vorzubereiten, werden Kindergärten zunehmend als Feld der Vorbereitung auf den Kampf um die „besten Chancen“ in der Konkurrenzgesellschaft wahrgenommen. Das Spektrum der erwarteten Kompetenzen reicht mittlerweile von der Integration und Inklusion benachteiligter Kindern bis zum schulisch anmutenden Englischunterricht in Kitas. Konkret äußert sich die Umstrukturierung vorschulischer Erziehungseinrichtungen in Anforderungen wie Fremdsprachenunterricht, musikalischer Früherziehung, frühkindlicher Bildung oder auch Individualförderung unter Einbeziehung der Eltern sowie vermehrter Organisations- und Verwaltungsarbeit. Ähnliche Logiken lassen sich auch in verwandten Sozial- und Erziehungsdiensten wie Ganztagsschulen, offener Jugendarbeit oder der Jugendgerichtshilfe beobachten. Mit diesen Entwicklungen gingen schließlich deutlich gestiegene Erwartungen und Anforderungen an die bisherigen und an nachrückende pädagogische Fachkräfte einher, die vonseiten der Arbeitgebenden jedoch in keiner Art und Weise anerkannt und (finanziell) gewürdigt worden sind. Dieser Widerspruch zwischen gestiegenen Ansprüchen an ErzieherInnen und der geforderten, sogenannten „Bildungsoffensive“ erklärt den Arbeitskampf, der zurzeit ausgetragen wird.

Dass die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) vom Streik sogar teilweise finanziell profitiert, weil Eltern weiterhin für ihre Kinder bezahlen, während die Angestellten während des Streiks nicht bezahlt werden, schmälert weder die Notwendigkeit der Arbeitsniederlegung noch die Solidarität mit den Streikenden. Stattdessen hat sich beispielsweise auch der „Landeselternausschuss der Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz“ bereits im vergangenen April mit einem offenen Brief an die Arbeitgeberverbände gewandt, in dem man sich klar mit den Streikenden solidarisiert, die alleinige Verantwortung für die „Eskalation“ den Arbeitgeberverbänden zuschreibt und diese auffordert, endlich deutlich verbesserte Angebote vorzulegen, um der sogenannten „Gratifikationskrise“ entgegenzutreten.

Natürlich greift es zu kurz, bloß die VKA für die Unterbezahlung und fehlende Anerkennung der pädagogischen Fachkräfte verantwortlich machen zu wollen. Stattdessen wären verschiedene Diskurse notwendig zu führen: Erstens eine Debatte über die finanzielle Unterstützung der Kommunen durch Bundesländer und Bund, die auch die Frage nach einer anderen Steuerpolitik aufwirft. Zweitens die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer sogenannten „Bildungsoffensive“ samt aller damit einhergehender Haupt- und Nebenfolgen. Drittens die Frage danach, was öffentliche Erziehung „leisten“ soll und inwiefern dies gesellschaftlich wünschenswert ist. Mittels der Demonstration soll vor allem der legitime Kampf der streikenden pädagogischen Fachkräfte für bessere Löhne und höhere Anerkennung unbedingt unterstützt werden!